Du stehst kurz vor der Matura und weißt nicht, was du studieren sollst? Du studierst schon an der Uni und bist nicht zufrieden mit deinem Fach? Hier erfährst du, warum Politikwissenschaft die beste Wahl ist.

1. Interdisziplinarität

Das Bachelorstudium Politikwissenschaft umfasst ca. 3.000 Studierende in Wien und gehört zur Fakultät der Sozialwissenschaften. Diese ist mit rund 12.000 Studierenden eine der größten Fakultäten an der Uni Wien. Andere sozialwissenschaftliche Bachelorstudien sind Soziologie, Kultur- und Sozialanthropologie und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.

Hier ein kurzes Video, das die Unterschiede der vier Sozialwissenschaften veranschaulicht.

Politikwissenschaft ist ein interdisziplinäres Studium, das merkt man am Studienplan. Bereits in der Studieneingangs und -Orientierungsphase und auch später im Studium gibt es fächerübergreifende Vorlesungen.

Wenn du dich also für Entwicklungen und Fragestellungen im Bereich der Sozialwissenschaften interessierst und dabei vor allem die politischen und gesellschaftlichen Aspekte behandeln möchtest, bist du bei Politikwissenschaft genau richtig.

2. Erweiterungscurricula

Im Bachelorstudium Politikwissenschaft, das aus 180 ECTS Punkten besteht, müssen 30 ECTS Punkte in Form sogenannter Erweiterungscurricula (ECs), aus anderen Studienrichtungen belegt werden.

Ich persönlich finde, dass das ein positiver Punkt im Studienplan ist. Dadurch bekommst du einen Einblick in andere wissenschaftliche Disziplinen, lernst verschiede Fachrichtungen kennen und erkennst auch, die verschiedenen Blickwinkel und Zugänge anderer Fächer zu bestimmten Fragestellungen.

Das EC Grundlagen der Rechtswissenschaften kann ich persönlich sehr empfehlen. Das ganze EC umfasst 15 ECTS. Nach einem Grundkurs von 7 ECTS, können verschiedene Kurse im Umfang von weiteren 8 ECTS ausgewählt werden. Die Möglichkeiten sind hier sehr groß. Von Strafrecht über Völkerrecht bis Rechtsphilosophie – du findest bestimmt einen Kurs, der dir gefällt.

3. Spezialisierungen

Bereits am Anfang im Bereich der Pflichtfächer, gibt es viele Lehrveranstaltungs-Leitende, die bestimmte Schwerpunkte legen. Somit kannst du relativ früh deine eigenen Interessen vertiefen und verschiedene Kurse belegen, die dich besonders interessieren.

Im Bereich der Spezialisierungen, wird es dann besonders interessant. Aus 8 Spezialisierungsmodulen, musst du zunächst 3 auswählen. Diese kannst du aus den folgenden Bereichen aussuchen:

  • Politische Theorien und Theorieforschung
  • Internationale Politik und Entwicklung
  • Europäische Union und Europäisierung
  • Österreichische Politik
  • Staatstätigkeit, Policy- und Governanceanalysen
  • Geschlecht und Politik
  • Osteuropastudien
  • Kultur und Politik

Im weiteren Verlauf des Studiums kannst du noch weitere Module aus den oben genannten auswählen, mehr Infos dazu findest du hier.

4. Wien als Studienort

Politikwissenschaft kann man in Österreich sowohl in Innsbruck, Salzburg als auch Wien studieren. Ich kann natürlich hier nur von Wien sprechen. Ich würde aber auf jeden Fall wieder in Wien studieren.

Ja, Studentenpartys gibt es in jeder Stadt. Ja, auch andere (österreichische) Städte haben eine wunderschöne Altstadt und eine tolle Architektur.

Wenn du aber jemals mit der Straßenbahn vom Karlsplatz, vorbei an Volksgarten, Parlament, Rathaus und Burgtheater zu Uni gefahren bist, mit deinen Studienkollegen zum „Lernen“ im Frühling im Votivpark gelegen oder in der Nacht an der Oper vorbei in Richtung Kärntner Straße gegangen bist, dann weißt du warum es Wien – und nur Wien – ist, wo du studieren solltest.

5. Individualität und Entfaltung eigener Interessen

Das Studium der Politikwissenschaft verlangt ein hohes Maß an Selbstorganisation und der Reflexion eigener Interessen. Es gibt nicht den einen Beruf, den du als Politikwissenschaftler einmal ausüben wirst. Genauso vielfältig wie das Studium, ist auch die spätere Auswahl an Berufen.

Es ist also besonders wichtig, dass du so früh wie möglich für dich selbst herausfindest, was dich interessiert. Du interessierst dich für die Internationale Politik? Vielleicht hast du ja die Möglichkeit, ein Praktikum in einer Internationalen Organisation zu machen. Du interessierst dich für österreichische Politik? Dann solltest du dich vielleicht einmal in einer politischen Partei oder der ÖH (Österreichische HochschülerInnenschaft) engagieren. Du möchtest eine journalistische Laufbahn einschlagen? Wie wäre es mit einem persönlichen Blog, einem Praktikum in einer Redaktion, der Mitarbeit bei der Institutszeitung…?

Politikwissenschaft ist ein Studium, das sehr beliebt ist. Gerade weil es so breit und interdisziplinär angelegt ist, ist es für viele interessant. Das kann jetzt ein Vor- oder ein Nachteil sein. Ein Vorteil ist sicherlich, dass du sehr viele tolle Menschen kennen lernen wirst. Trotz der Größe hast du irgendwie das Gefühl dazuzugehören, wenn du das NIG (Neues Institutsgebäude) betrittst.

Ein Nachteil ist natürlich die große Zahl an Absolventen. Obwohl du während des Studiums keinen Konkurrenzkampf spüren wirst (ist mir zumindest nie so ergangen), hast du trotzdem im Hinterkopf, dass mit dir noch einige Hundert andere Absolventen den Arbeitsmarkt stürmen.

6. Angeregte Diskussionen mit Studienkollegen

Du hast nicht Politikwissenschaft studiert, wenn du nicht mindestens einmal eine angeregte Diskussion mit einem/einer Studienkolleg/in über Gleichberechtigung, politische Parteien, die ÖH, den Akademikerball, das verschulte Uni-System, den Wahlsieg von Syriza in Griechenland oder die Krise der repräsentativen Demokratie in Osteuropa geführt hast.

Diese Liste lässt sich natürlich unendlich weiterführen. Was du aber unbedingt wissen solltest: Nutze die Seminare für Diskussionen! Nirgends sonst kannst du wahrscheinlich so viele unterschiedliche Meinungen hören, diskutieren und lernen, deine Eigene zu vertreten.

7. Wissen

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Bildung macht sexy – das hat schon mein Deutschlehrer in der Schule gesagt. Und ich finde, er hatte recht. Das Studium der Politikwissenschaft wird dir vor allem eines bringen: Wissen.

Welche Ideen vertraten Sokrates, Marx und Hobbes? Wie wird Politik in Schweden gemacht? Welche Regierungsformen findet man in Asien? Warum ist die Arbeitslosigkeit in Argentinien höher, seitdem Partei „xy“ an der Macht ist? Wieso wird der US-Präsident anders gewählt als der Bundeskanzler? Wie sieht es mit der Umweltpolitik in den Ländern Lateinamerikas aus? Wie entsteht Krieg? Welche Institutionen sorgen für Frieden? Und was macht eigentlich die Uno? Wie kann ich mit meinen Forschungsergebnissen kritisch umgehen?

Das alles sind Fragestellungen, die du während des Studiums möglicherweise zu hören bekommst. Du siehst also, Politikwissenschaft ist sehr breit angelegt und beinhaltet ganz viele unterschiedliche Perspektiven und Themen. Du wirst lernen Zusammenhänge zu erkennen und Parallelen zwischen verschiedenen Politikfeldern herzustellen.

8. Lesen und Schreiben

Eines muss abschließend noch gesagt werden: du wirst im Politikwissenschaftsstudium – so wie in jedem anderen sozialwissenschaftlichen Studium – sehr, sehr, sehr viel lesen müssen. Du solltest das also sehr gerne tun, sonst wirst du ziemlich bald ziemlich unglücklich werden.

Außerdem spielt auch das Schreiben wissenschaftlicher Texte eine große Rolle. Ob Essays, Rezensionen, Abstracts oder Seminararbeiten – von Beginn an, spielt auch das eigenständige Verfassen solcher Texte eine große Rolle.

Gute Englischkenntnisse sind auch von Vorteil. Ein großer Teil der Literatur wird nämlich in englischer Sprache verfasst.

Wenn du dir vor diesem Artikel nicht sicher warst, ob du Politikwissenschaft studieren sollst, habe ich dich hoffentlich davon überzeugt! 😉

Ich freue mich über Kommentare und Anmerkungen,

Babsi

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