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„Die kaputte Elite. Ein Schadensbericht aus unseren Chefetagen.“ Mit seinem Buch kritisiert Benedikt Herles die Management-Probleme unserer Wirtschaft und gibt Einblicke in eine Arbeitswelt, die nach „mehr Menschlichkeit, Kreativität und Mut“ verlangen sollte.

Herles hat selbst an einer Elite Business School in Deutschland studiert und als Unternehmensberater gearbeitet. In seinem Buch gibt er Einblicke in eine Welt, in der nur Kontakte, Anpassung und unendlich lange Arbeitstage Erfolg versprechen und ein Leben, in dem konstruktive Kritik keinen Platz hat.

Auf der ersten Seite findet sich ein Zitat des Ökonomen Peter Drucker: „If you want something new, you have to stop doing something old“. Angeleitet von diesen Worten, stellt der Autor auf den nächsten 160 Seiten die Probleme dar, die beim BWL-Studium beginnen und sich bis in die Führungsetagen der größten deutschen Unternehmen ziehen.

„Die soziale Marktwirtschaft kann funktionieren“

Davon ist Benedikt Herles überzeugt. Sie kann allerdings nur dann funktionieren, wenn der Fehler im System erkannt wird. Wenn Management nicht mehr nur auf Profitmaximierung und Machterhalt fokussiert ist, sondern von dem Streben nach Innovation und gesellschaftlichem Nutzen angetrieben wird.

Kritisiert wird vor allem die Ausbildung der zukünftigen Manager. Die Lehrpläne der BWL-Studiengänge seien einseitig, zahlenfixiert und von naturwissenschaftlicher Exaktheit getrieben. Es fehlt an der Vermittlung von gesellschaftlicher Verantwortung und eigenständigem Denken. Fächer wie Psychologie, Soziologie oder Philosophie haben keinen Platz in den überfüllten Curricula der Business Schools. Bildung muss in jeglicher Form messbar und verwertbar sein, kritisches Denken wird selten belohnt.

Viele Absolventen starten ihre Karriere bei eine der großen Beratungsunternehmen. „Die hohen Einstiegsgehälter, mit denen die Top-Firmen locken, sind in Wahrheit ein teuflisch niedriger Preis für den Verkauf der Seele.“ Wer es bis ganz nach oben schaffen will, der schafft das nur durch Anpassung. Die deutsche Wirtschaft sei geprägt von Stillstand. Innovation wird nicht belohnt sondern belächelt, was zählt sind Zahlen und Ergebnisse. Scheitern ist nicht erlaubt, wer keine zufriedenstellenden Ergebnisse liefert ist schnell weg vom Fenster.

Herles spricht von „Technokraten-Managern“ die verwalten und nicht entdecken. Diejenigen die in Positionen sind, in denen sie gesellschaftlich relevante Veränderungen bewirken könnten, sind zu sehr darauf bedacht ihren Chefsessel warm zu halten und das Spiel weiterzuführen.

„Nach oben kommen immer die gleichen Charaktere. Und wenn sich die Lebensläufe ähneln, dann tun es auch die Arbeitsweisen. Denn wer durch die gleiche Schule geht, lernt, Probleme auf die gleiche Weise zu lösen. Die großen Ehemaligen-Vereine sind vor allem Gemeinschaften der geteilten Eigenschaften.“

Der Traum einer neuen Elite

Am Ende des sogenannten „Schadensberichts“, stellt Herles seinen Traum von der neuen Elite dar. Reine BWL-Abschlüsse gibt es nicht mehr. Es muss zumindest ein Nebenfach aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften gewählt werden. Ökonomische Theorien werden nicht mehr nur unterrichtet, sie werden diskutiert und hinterfragt. Sich in die unterschiedlichen Denksphären reinzuversetzen, ist ein essentieller Bestandteil des Studiums. Große Firmen sind gesellschaftliche Vorbilder.

Bei der Rekrutierung der Absolventen zählt nicht mehr nur das Gehalt sondern auch die Work-Life-Balance und die Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung. Es stehen nicht mehr Produktivität sondern ständige Qualitäts- und Produktverbesserung im Fokus der Aufmerksamkeit.

Herles träumt außerdem von deutlich bunteren Chefetagen. Der Frauenanteil erhöht sich, internationale Führungskräfte sind willkommen und die Zahl der Quereinsteiger steigt deutlich.

Die Zukunft?

Benedikt Herles sieht diese Veränderungen als große Herausforderung der zukünftigen Generationen.

Ich denke, dass ein Umdenken in vielen Teilen der Bevölkerung schon längst begonnen hat. Unzählige Artikel und Bücher über die sogenannte Generation Y, stellen eine Generation dar, die von Selbstverwirklichung und Work-Life-Balance mehr begeistert ist, als von Profitmaximierung. Es stellt sich immer häufiger die Frage: was kann ich für eine bessere Welt beitragen?

Ganze Branchen müssen sich in Zukunft verändern um den Anschluss nicht zu verlieren. Die deutsche Automobilbranche ist ein gutes Beispiel dafür. Elektroautos sind in vielen Teilen der Welt auf dem Vormarsch, die Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet ist enorm. Es gilt die neuen Bedingungen unserer heutigen Arbeitswelt rechtzeitig zu erkennen, anstatt hartnäckig auf alte Denkweisen zu bestehen.

Begonnen werden muss damit, meiner Meinung nach, bereits im Studium. Es darf nicht mehr belächelt werden, wer ein Fach aus Interesse und Leidenschaft studiert. Erweiterungscurricula aus anderen Studienrichtungen sollten für alle verpflichtend sein. Die Studienzeit sollte als Möglichkeit der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und der Entwicklung eigener Stärken und Schwächen gelten, als sich nur an der Verwertbarkeit des Wissens zu orientieren.

Sich einfach mal ein Semester aus Interesse in eine Vorlesung zu setzen hat wahrscheinlich mehr Sinn, als voll Panik auf die Mindeststudienzeit zu schauen.

Wer mit so einer Einstellung ein Studium beginnt, wird es sehr weit bringen in der Arbeitswelt. Ich bin davon überzeugt, dass Leidenschaft und Interesse die wichtigsten Bestandteile nicht nur im Studium, sondern auch in der beruflichen Laufbahn sind.

 

 

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