In den letzten Monaten gab es wenige Filmstarts in Österreich, die einen Kinobesuch wert gewesen wären. Mit der Prämiere von The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben am 22. Januar diesen Jahres, hat sich das allerdings geändert.

Benedict Cumberbatch brilliert in seiner Rolle als genialer Mathematiker Alan Turing. Während des Zweiten Weltkrieges verwenden die Deutschen eine Maschine namens Enigma, um ihre Funksprüche zu verschlüsseln. Alan Turing, der bereits als Student in Cambridge durch seine Leitungen auffällt, wird gemeinsam mit anderen Mathematikern vom britischen Geheimdienst engagiert, um in streng geheimer Mission ein System zu entwickeln, das Enigma knacken soll.

Turings Leben in drei Zeitebenen

Die Handlung des Filmes wird in drei Zeitebenen erzählt. Zu Beginn sieht man Turing, als er 1952 von der Polizei verhört wird. Er erzählt rückblickend dem Polizeibeamten seine Geschichte, die zwischen den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg und seiner Kindheit und Jugend wechselt.

Der Wettlauf gegen die Zeit im Codeknacken des Enigma-Schlüssels, wird eingebettet in die tragische Geschichte des Alan Turing. 1912 geboren, fiel er schon früh auf Grund seiner mathematischen Begabung auf. Die Darstellung der Figur wechselt zwischen kriegsheldenhafter Entschlossenheit und sozialer Inkompetenz à la Sheldon Cooper. „Wir knacken einen nicht zu knackenden Code und gewinnen den Krieg“, fasst Turing im Film zusammen.

Als Einzelgänger fällt es ihm allerdings schwer, in einem Team zu arbeiten, das unter anderem aus Hugh Alexander (gespielt von Matthew Goode) und später auch aus Joan Clarke (Keira Knightley) besteht.

Ein wenig unklar bleibt dabei die weibliche Rolle von Joan Clarke. Sie wird von Turing als Mitarbeiterin im Team angeheuert, kann aber auf Grund ihrer Stellung als unverheiratete Frau in den 1940er Jahren, vorerst nicht offiziell an der Entschlüsselung mitarbeiten. Zeitweise wirkt es so, als ob es ihre Rolle nur auf Grund der sich leicht abzeichnenden Liebesgeschichte zu Turing gebe, die dem Film eine persönlichere Note geben soll. Das ist auch der einzige Kritikpunkt, den man anmerken sollte.

Das Porträt eines verkannten Genies

Etwa ab der Hälfte des Filmes wird die Homosexualität Alan Turings thematisiert, die zu dieser Zeit in Großbritannien (sowie im Großteil der westlichen Staaten) noch als Straftat angesehen wird. Cumberbatch schafft es, das faszinierende Porträt eines innerlich zerrissenen und im Umgang mit anderen irritierend schwierigen Menschen, mehr als überzeugend darzustellen.

Durch die Errungenschaften Alan Turings, konnte der Zweite Weltkrieg nachweislich um ca. 2 Jahre verkürzt werden. Trotzdem blieb seine Arbeit unter Verschluss und er erhielt kaum Anerkennung. Im Gegenteil. Anfang der 1950er Jahre muss sich Turing vor Gericht auf Grund seiner Homosexualität verantworten. Das Urteil lautet Gefängnis oder Hormontherapie. Er entscheidet sich für die zweite Variante, was zur Folge hat, dass er depressiv wird und sich 1954, im Alter von nur 41 Jahren das Leben nimmt.

Erst im Jahr 2013 wird Alan Turing durch ein sogenanntes Royal Pardon postum von Königin Elisabeth II. begnadigt und gilt seit dem als offiziell rehabilitiert.

Spannend. Tragisch. Brilliant.

Der zeitliche Druck unter dem das Team steht, wird ergänzt durch den persönlichen Kampf Turings gegen seine Andersartigkeit. Die Zeitsprünge verleihen dem Film eine positive Spannung und fesseln die Zuseher. Obwohl die Geschichte und deren Ausgang bekannt ist, bleibt die Unsicherheit bis zum Schluss im Hinterkopf, ob es dem Team rechtzeitig gelingen wird, Enigma zu entschlüsseln.

Ein Film der Extraklasse auf den wir zu lange warten mussten. Spannend und sorgsam inszeniert vom norwegischen Regisseur Morten Tyldum (bekannt aus Headhunters, 2011). The Imitation Game wurde bereits achtmal für den Oscar nominiert, unter anderem für beste Regie (Morten Tyldum), den besten Hauptdarsteller (Benedict Cumberbatch), die beste Nebendarstellerin (Keira Knightley) und als bester Film.

Fazit

Unbedingt in nächster Zeit einen Kinoabend einplanen, um dieses Meisterwerk anzusehen!

Tipp: Falls sich ein Kinobesuch nicht rechtzeitig ausgeht, gibt es The Imitation Game ab 30.9.2015 auf DVD und Blu-ray zu kaufen.

Bildrechte liegen bei STUDIOCANAL.

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